Raubfisch-XXL.de

Das Weblog von Daniel Katzoreck

Holland-Gooimeer und Nordseekanal

Mythos Holland – Was ist dran am Raubfischparadies?

Wer kennt nicht die sagenumwobenen Geschichten rund um Zander und co. aus dem vermeintlichem „Heiligen Land“. Massenfänge sollen möglich sein, aber auch die Größen für sich sprechen. Auch die Gesetze sollen ein unkompliziertes Angeln erlauben. All dies hört sich sehr vielversprechend an, doch stimmt das auch? Genau dem Wahrheitsgehalt dieser Erzählungen wollte ich nachgehen und plante mit meinem Freund Michael Schmitz eine 3- Tagestour vom 28.12.2009 bis 30.12.2009 .

Vorneweg steht für uns Urlauber immer die Frage nach den Angelkarten und den Bestimmungen. Die Angelkarte, die VISpas, bekommen sie in fast jedem Angelladen oder aber auch problemlos per Internet. Für 30 Euro erhalten sie die Jahreskarte, die ihnen das Angeln an sehr vielen Gewässern ermöglicht. Da aber doch ein paar Gewässer in Vereinshand sind, ist das Handbuch, dass sie beim Erwerb der Jahreskarte bekommen äußerst hilfreich. Hier finden sie detailiert aufgeführt welche Gewässer sie befischen dürfen.


Ziel unseres ersten Tages war das Gooimeer (Meer auf Holländisch=See) - ein großer See der Anschluss zum Ijsselmeer hat. Von der Slipstelle aus, die sich am Westufer des Gooimeers befindet, erstreckt sich eine große Flachwasserstrecke, die nicht tiefer als 3m ist. Die Fahrrinne, die nach einer Fahrt von 1km erreicht wird, ist mit roten und grünen Tonnen markiert. Hier beginnen im Herbst und Winter die interessanten Zanderstellen, denn die Fahrrinne fällt relativ steil auf Wassertiefen über 20m ab. Aber Vorsicht, die Holländer haben ein genaues Auge darauf wo gefischt wird. Sie lieben es nämlich auf Zander zu fischen, und achten deswegen auch sehr auf ihre Bestände. Dazu gehört auch, dass man sich an gewisse ungeschriebene Gesetze hält, wie das Fischen unterhalb von 15-17m zu unterlassen, da die Zander den Druckausgleich nicht mehr schaffen. In Tiefen zwischen 10-15m sollten sie den Fisch auch äußerst langsam aus der Tiefe befördern. Geschieht dies zu schnell bläht sich der Magensack auf und kommt aus dem Maul heraus, was unweigerlich das Ende des Fisches bedeutet. Neben diesem unbeschriebenen Gesetz gilt außerdem eine maximale Entnahme von 2 Raubfischen pro Tag! Wir sind Gast und sollten uns dementsprechend an die Regeln halten.



Blick auf die Slipstelle am Gooimeer


Als Angelplatz haben wir die besagte Kante zu Fahrrinne ausgewählt. Eine sehr beliebte Methode auf Zander ist das Vertikalfischen mit Gummiködern. Auch wir fischten vertikal mit relativ leichten Bleiköpfen um 15gr. Der Plan war, die Kante parallel zur Fahrrinne abzufischen. Da an diesem Tag absolute Windstille herrschte, musste der Elektromotor herhalten, der uns in langsamer Stufe die Kante abfahren ließ. Wer eine Tour zum Vertikalangeln plant, dem kann ich nur empfehlen, nehmen sie einen Elektromotor mit. Er erleichtert vieles, zum einen dient er zum Navigieren zum anderen zum Gegensteuern bei zu schneller bzw. zu langsamer Drift.



Ein perfekt ausgestattes Boot macht das Fischen zu einem wahren Erlebnis.


Nach vier Stunden ohne Fisch zogen wir etwas lange Gesichter, keine Fische, kein Biss. Wir probierten jegliche Köder und Farben aus, bis, ja bis Micha einen braunen gesalzen Fransenköder aufzogen. „Biss“ schrie er. Etwas ungläubig schaute ich zu ihm rüber, doch keine 2 Minuten später war er im Drill. Der erste holländische Zander unserer Tour lag vor uns im Kescher. Und genau so ging es weiter, Michael fing Fisch auf Fisch, während ich nicht mal einen Biss bekam. Selbst ähnliche Köder brachten mir nichts ein. Sollte es an der Führung liegen? Michael bevorzugte eine sehr, sehr langsame Führung, während ich den Köder in schnelleren Intervallen vom Boden hob und senkte. Auch wenn ein zeitlupenartiges Heben und Senken das beste Mittel war, der ausschlaggebende Punkt von Michaels Erfolg war seine Köderwahl. Kleinste Farbnuancen schienen an diesem Tag den Ausschlag gegeben zu haben. Endlich konnte ich dann auch meine ersten Zander über die Bordwand hieven. Insgesamt waren es nach anfänglichen Schwierigkeiten 13 Stück, ein Ergebnis das sich an den wenigsten Gewässern Deutschlands realisieren lässt. Aber Vorsicht der Schein trügt, wir unterhielten uns auf dem Wasser mit Deutschen auf einem anderen Boot, die an diesem Tag nicht einen Räuber  gefangen hatten. Die Fische springen einem also auch in Holland nicht zwangsläufig ins Boot.


Erster Gooimeer-Zander des Ausflugs



So schön kann Vertikalangeln auf dem Gooimeer sein. Micha in entspannter Aktion.



Herlicher Tag und herlicher Fisch. Dieser nahm einen gesalzenen Gummi am Fireball.


Am nächsten Tag wollten wir wiederum ans Gooimeer fahren, doch eine große Überraschung erwartete uns an der Slipstelle. Der komplette große See war zugefroren. Was nun? Da der Nordseekanal nicht sehr weit vom Gooimeer entfernt liegt, entschieden wir uns dort zu fischen. Eine beeindruckende Kulisse erwartete uns dort. Riesige Dampfer und Frachtschiffe parkten mitten in Amsterdam, viele Hausboote lagen am Ufer des Kanals. Der Kanal besitzt Tiefen bis zu 20m, die Fahrrinne hat im Bereich von Amsterdam aber durchschnittlich etwa 15m Tiefe. Ein Fischen in der Fahrrinne ist aber aufgrund des ständigen Schiffverkehrs unmöglich. Wir beschränkten uns deshalb auf die abfallende Uferkante. Nach nicht allzu langer Zeit bekamen wir auch die ersten Bisse auf einer Tiefe zwischen 9-11m. Aber nicht auf die braunen Fransenköder, die wir am Gooimeer einsetzten, sondern auf gelbe und grüne Köder, mit lachsfarbenen Fransen. Diese Köderwahl sollte uns die nächsten 2 Tage am Nordseekanal eine Unmenge an Bissen bescheren. Neben knapp 40 Zandern konnten wir auch 10 Barsche über 30 cm überlisten, sogar ein „Platte“ war dabei, die am Gummifisch hängen blieb. Trotz stürmischen Wetters und eiskalten Temperaturen erlebten wir eine kurzweilige Fischerei. Wie wichtig ein E-Motor ist, wurde uns am dritten Tag aufgezeigt. Leider ließ uns der Motor aufgrund eines fehlenden elektrischen Kontaktes im Stich. Der Wind blies mit 4bft über den Kanal, die Drift war zu schnell um einen Grundkontakt mit dem Gummifisch zu halten. 30gr. reichten nicht aus, selbst mit höheren Bleigewichten wäre die Drifgeschwindigkeit zu hoch gewesen. Die Räuber hätten nicht genug Zeit den Köder zu attackieren. Gerade in der kalten Jahreszeit, zeigte sich, langsame Führung gewinnt!



Typische Größe für den Nordseekanal. Der Zander konnte der Hairy Mary nicht widerstehen.



Rauhes und kaltes Wetter begleitete uns auf dem Nordseekanal. Das war kein Fischen für Warmduscher.



Bootfahren mit einem 50 ps Außenborder macht riesig Spaß.



Zander der der Pink Lady verfiel. Unter uns Anglern nennen wir die Farbe auch “Pussy Pink”.



Barsch in Action



Nicht nur Zander gab es zu Hauf, sondern auch sehr viele Barsche um 30-ig Zentimeter.



Der absolute Bringer am Nordseekanal



Meine Köderbox


Was nehme ich mit aus dem Urlaub?


-Die Holländer sind ein nettes und hilfsbereites Volk. Sie geben gerne Tips, wenn sie das Gefühl haben wir verhalten uns am Wasser auch nach ihren Regeln.


- In Holland gibt es tatsächlich Gewässer mit einem super Raubfischbestand. Doch von nichts kommt nichts, denn die Holländer pflegen ihren Bestand durch eine wie ich finde Klasse Fischentnahmepolitik.


- Ein eigenes Boot mit entsprechender Motorisierung (Verbrennungsmotor + E-Motor) und einem Echolot  ist absolut von Vorteil, um erfolgreich zu fischen.


Fazit: Das wird nicht der letzte Besuch gewesen sein!


Info:


Hilfreiche Homepage zu den Gesetzten und Kartenausgabe finden sie unter : www.Angeln-in-den-Niederlanden.de


Daniel

5 Kommentare

  1. Nico:

    Super Bericht und schön ausführlich! Muss es auch mal mit Fransen probieren!

  2. Jan Pfirrmann:

    Super Bericht was führ Köder habt ihr da verwendet, sicher von Quantum, wo bekommt man den die Teile in der Umgebung

  3. Dani:

    Hi Jan, das sind die Hairy Marys von Quantum. Die bekommst du bei Meyers Angelladen zum Beispiel.
    Schöne Grüße Dani

  4. Jan Pfirrmann:

    Vielen Dank

    Da werde ich demnächst mal ein paar mitnehmen sehen nämlich sehr gut aus vor allem mit den Fransen und dann mal in unserem Baggersee in Neuburg testen.

    Ig Jan

  5. Zanderoli:

    Moin Jungs
    Spitzen Seite,gerade für mich als RaubfischfanKurzweilige Berichte und schöne Fotos.Macht weiter soWerd bestimmt öfter bei Euch reinschauen.
    Gruß und Petri Heil Oli

Raubfisch-XXL.de läuft unter Wordpress 4.9.9
Anpassung und Design: Gabis Wordpress-Templates