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Das Weblog von Daniel Katzoreck

Standorttreue und saisonaler Standortwechsel von Hechten in einem kleinen See

Standorttreue und saisonaler Standortwechsel von Hechten in einem kleinen See

Für mich als Angler hat sich schon oft die Frage gestellt, inwiefern der Hecht als standorttreuer Fisch wahrgenommen werden kann. Klar ist, in der anglerischen Fachliteratur wird der Fisch als standorttreu bezeichnet. Doch gibt es dafür auch Belege. Das Forscherteam um Professor Arlinghaus hat sich genau mit diesem Thema beschäftigt. A.Kobler, T.Klefoth und R.Arlinghaus von der Humbolduniversität sind in ihrem wissenschaftlichen Artikel „Site fidelity and sesonal changes in activity centre size of female pike Esox lucius in a small lake“ (Journal of Fish Biology, 2008) näher auf dieses Thema eingegangen. Im Folgenden habe ich versucht die Ergebnisse dieser Forschungsreihe stark verkürzt darzustellen.

Der Feldversuch dieser wissenschaftlichen Studie wurde an einem 25 ha großen natürlichen See in Nordostdeutschland (Kleiner Döllnsee) durchgeführt. Bei der Studie wurden 12 Hechte mit einer Größe von 45 bis 73 cm mit Sendern versehen. Insgesamt dauerte der Beobachtungszeitraum von Juni 2005 bis Februar 2006. Dabei wurde die Aktivität der Hechte wöchentlich mit einem Radio-Telemetriesender in einer 24 h Aufnahme verfolgt. In dieser 24 h Messung wurde alle 3 h die Positionen der Hechte erfasst. Zusätzlich wurde im Beobachtungszeitraum 2-mal eine 96h Aufnahme durchgeführt. Von Juni bis Dezember konnte die Lokalität der Hechte über ein Boot beobachtet werden. Im Januar und Februar sind die Forscher zu Fuß über das Eis gegangen, um die Hechte zu lokalisieren. Damit die Ergebnisse verstanden werden ist ein Begriff von besonderer Bedeutung. Das Aktivitätszentrum! Das Aktivitätszentrum ist vereinfacht ausgedrückt ein Platz, an dem die Hechte sich vornehmlich aufhalten.


 Um die Standortreue zu beurteilen wurde ein weiterer Versuch durchgeführt. 8 Hechte wurden herkömmlich mit der Angel und Natur- wie auch mit Kunstködern gefangen und an einem anderen Teil des Sees zurückgesetzt. Die Hechte wurden dabei mehrere hundert Meter von ihrem Fangort wieder ausgesetzt (teilweise fast 1 km entfernt, am anderen Ende des Sees). Spannend ist zu erfahren, ob und wie schnell die Fische wieder in ihr Aktivitätszentrum zurückkehren.


 Die Ergebnisse des Umsetzversuches:

 - Alle Fische kehrten innerhalb von 6 Tagen wieder zurück in ihr Aktivitätszentrum, wodurch die Standorttreue nachgewiesen werden konnte.

- Es gab keine Beziehung zwischen der Größe der Hechte, der Distanz der Aussetzung und der Dauer bis die Hechte zurückkehrten. Das heißt: ein kleiner Hecht der weit entfernt ausgesetzt wird, kann genau so schnell wieder an seinen Standort zurückkehren, wie ein größerer Hecht, der nahe an seinem Aktivitätszentrum ausgesetzt wurde.

- Aus den saisonalen Aufnahmen ergab sich, dass die Hechte abhängig von der Jahreszeit ein unterschiedlich großes Aktivitätszentrum haben. Im Winter ist das Aktivitätszentrum um einiges größer als im Sommer. Möglicherweise ist die Ursache z.B. in dem unterschiedlichen saisonalen Verhalten der Beutefische und des jahreszeitlichen Bewuchses zu finden.

- Obwohl die Aktivitätszentren im Winter tendenziell um einiges größer sind als im Sommer überlagern sich diese weitestgehend. Es heißt auch nicht, dass das Aktivitätszentrum im Winter größer sein muss. In der Forschungsreihe zeigten 5 der Hechte ein gleich großes Zentrum. Die restlichen Tiere wiesen allerdings im Winter einen größeren Bewegungsraum auf. Das heißt: Komplett verlässt der Hecht seinen Standort so gut wie nicht. Das bedeutet für uns Angler: wenn wir als Angler einen Hecht im Drill verloren haben, ist es sehr wahrscheinlich, dass dieser Hecht sich weiter in diesem Bereich aufhält.

- Die Größe der Aktivitätszentren wurde mithilfe der Kernhilfeschätzung (auch Parzan-Fenster-Methode) ermittelt. Dieses übliche Verfahren in der Wahrscheinlichkeitsrechnung ergab, dass die Aktivitätszentren im Sommer mit einer 95%-igen Wahrscheinlichkeit eine Größe von 1392,5 +- 389 m² haben. Im Gegensatz dazu liegt dieser Wert im Winter bei 3612,5 +-909,6 m². Zum Vergleich hat ein Handballfeld eine Größe von 800m² und ein halbes Fußballfeld 3500 m².

Daniel

4 Kommentare

  1. RainerS:

    Hey Dani,

    sehr interessant, danke für’s dolmetschen

  2. Dani:

    Hi Rainer, solche Artikel finde ich auch total spannend. klar leben wir als Angler vornehmlich aus Erfahrungen und Beobachtungen am Wasser. Manchmal lassen sich dennoch auch sehr gute Schlüsse aus Wissenschaftlichen Studien ableiten, die uns Angler weiterbringen.
    Schöne Grüße

  3. ssnake:

    Hallo kurze Frage darf ich den Bericht in unser Donauangler Foru stellen natürlich mit Quelle

    Lg Manfred

  4. Dani:

    Hallo Manfred, sehr gerne! Grüße Dani

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