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Das Weblog von Daniel Katzoreck

Winterwaller 2007/2008

Dies ist zwar schon ein etwas älterer Artikel den ich damals für meine Freunde, die die Homepage www.fishing-for-men.de aufgezogen haben, schrieb. Dennoch glaube ich, dass er lesenswert ist.

Dieser Bericht soll einen kleinen Einblick darüber geben, dass es durchaus möglich ist mit der Spinnrute einen Wels zu fangen…

und das im WINTER.

Das Winterfischen ist mit sehr viel Überwindung verbunden, denn zum Teil ist die Luft eisig kalt. Vor allem dann, wenn die Wassertröpfchen von der geflochtenen Schnur auf den Handrücken nieseln. Wenn dann noch ein eiskalter Nordwind dazukommt, sind klamme Finger vorprogrammiert.

Aber schon mal vorneweg:

Der Aufwand lohnt sich!



In der Literatur liest man sehr oft, dass die Welse sich in tiefen Löchern sammeln und Winterruhe halten.


Ich kann dem völlig widersprechen. ...


Die meisten Fische wurden nahe der Strömung gefangen.


Auch die Wassertiefe war sehr unterschiedlich: von sehr flachem Wasser bis tatsächlich tiefen Buhnen. Weiter liest man, dass man den Fischen bei den kalten Wassertemperaturen keinen Drill zumuten sollte. Da frage ich mich, was ist im Sommer bei sehr niedrigen Sauerstoffgehalten im Wasser und der möglichen Muskelversäuerung? Weiter stellt sich die Frage, fressen die Welse im Winter, oder verteidigen sie nur ihr „Winterrevier“!


Ich bin der Meinung, dass beides vorkommt. Dies möchte ich mit meinem Beitrag hier bestätigen…Des Öfteren war es so, dass tagelang nichts passiert ist und dann wieder innerhalb kürzester Zeit auf demselben Flussabschnitt zum Teil mehrere heftige Bisse folgten. Dass zeigt für mich, dass die Welse entweder aufgrund irgendwelcher Umstände sehr aggressiv sind oder aber auf gemeinsamer Jagd waren. Zu dieser Zeit konnten auch 2 aktive Fische an der Wasseroberfläche gesichtet werden.


Nun zum eigentlichen Bericht


Nachdem die Zandersaison so gut wie vorüber war, konzentrierte ich mich auf andere Fische. Aus den Vorjahren war mir von anderen Fischern bekannt, dass sie in den Wintermonaten Kontakt zu den Barteligen hatten. Ich selbst konnte auch einige schöne Fische landen, doch dieses Jahr wollte ich es genauer wissen. Alles fing dann so um die Weihnachtszeit an. Die Temperaturen lagen schon nahe des Gefrierpunktes und ich versuchte das erste Mal mein Glück. Im Gepäck waren Blinker und Gummifische in mittleren Größen. Der Wasserstand hatte ein relatives niedriges Niveau. So war der Strömungsdruck nicht besonders groß. Als ich das erste Mal in diesem Winter mit der Welsspinnrute ans Wasser aufbrach, war ich mehr neugierig als überzeugt, dass dies schon zum Erfolg führen sollte. Doch nach einigen Würfen gab es einen sonderbaren Ruck in der Rute. Das muss doch ein Fisch gewesen sein. Nach ein paar weiteren Würfen dann der erste harte Biss. Sofort war klar, dass es ein Wels sein musste.


Er hatte zwar nur knapp über einen Meter, aber das war ein prima Saisoneinstand auf die Winterwaller.


Am nächsten Tag begab ich mich mit einem ebenso verrückten Angler nochmals an den Rhein. Die Frage, ob es nur Zufall war oder nicht lies mich nicht ruhig schlafen. Die Spannung war hoch, im Gegensatz zur Temperaturanzeige…FROST. Die Köder peitschten durch die Luft…lange tat sich nichts. Doch nach langer Zeit ein Biss beim Absinken. Jaaaa, wieder ein Wels. Der war schon etwas größer.


Das Maßband zeigte 1,17m.




Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr erwies sich als die absolute Topzeit, doch auch in den darauffolgenden Wochen konnte immer wieder der ein oder andere „Kontakt“ hergestellt werden.





Die Krönung war am 22. Januar, als ein Wels von 1,81m den Blinker im seichten Wasser nahm. Ein aufregender endlos vorkommender Drill an der Spinnrute folgte. Die Freude war riesig und ich konnte auch verkraften, dass sich danach der Rutengriff verabschiedete.



Hierzu jetzt auch der Drill…


Ich kann nur jedem empfehlen, sollte er es gezielt auf die Waller abgesehen haben, überschätzt die Tragkraft der geflochtenen Schnur nicht. Es ist nicht die Tragkraft, die oft zu Verlusten führt, sondern eher das schlechte Abriebverhalten der Geflechtschnüre. So fällt mir ein Beispiel aus dem Januar ein. Ich wollte eine Buhne befischen, an die man direkt mit dem Auto hinfahren kann. Nach ein paar Würfen mit der schweren Welsrute hatte ich zweimal einen zaghaften Biss auf einen Gummifisch, trotz dicken geflochtenen Vorfachs. Ich vermutete, dass sich ein Zander interessiert, aber sich dann doch von dem geflochtenen Vorfach täuschen lies. Gott sei Dank stand mein Auto direkt neben mir. In diesem lag meine Zanderrute, mit Hardmonovorfach und 17er geflochtener Hauptschnur montiert. Der erste Wurf erreichte die Strömungskante leider nicht, aber den Platz, wo ich vorher die Bisse auf die Welsrute bekam. Beim ersten Absinken dann passierte es. Meine Reaktion reichte nicht, um den Biss mit einem Anschlag zu quittieren. Sofort war die Rute krumm. Der Gegner entschloss sich nicht in die Hauptströmung zu schwimmen, sondern kam brav ohne Energieverlust mir in Richtung Ufer entgegengeschwommen. Da er noch voll im Saft stand, konnte er sich dann am Ufer voll austoben. Leider fehlte mir mit meinem Gerät jegliche Kraft den Fisch an die Oberfläche zu Pumpen. Er wusste genau was er zu tun hatte. Unser Rheinabschnitt ist an der Uferböschung wie an den Buhnen mit scharfkantigen Granitblöcken aufgeschüttet, und das wissen sie auszunutzen! Die 17er geflochtene Schnur gab beim ersten Kontakt mit einer Gesteinskante auf. Ich habe vielleicht innerlich gebrodelt. Zu Hause angekommen, wanderte die Zanderrute dann in den Keller. Dieser Winter ist Welswinter, nicht dass man nochmals auf falsche Gedanken kommt.


Ich halte eine Rute von 3m mit einem Wurfgewicht um die 150-200gr für ideal. Als Hauptschnur empfehle ich eine geflochtene Schnur mit einem Durchmesser von 0,30mm aufwärts. Das Vorfach sollte auch eine Geflochtene sein mit einem Durchmesser von etwa 60mm. Wie oben beschrieben, hilft das dicke Vorfach hauptsächlich gegen den Abrieb, der von Unterwasserhindernissen (Steinen, Holz, Muscheln und den zahlreichen kleinen Zähnchen im Welsmaul) ausgeht und dient weniger der Tragkraft. Nicht nur die Rute, Rolle und die Schnur muss der Kraft der Waller gewachsen sein, sondern auch die Haken und Sprengringe an den Ködern. Für mittelgroße Gummifische gibt es sehr wenige stabile Haken, außer denen von Spro und Profiblinker. Die Drillinge an den Blinkern tausche ich generell gegen Größere und Stabilere aus. Oft wird auch mit Einzelhaken gefischt. Der Vorteil liegt darin, dass der Hakeffekt größer ist und auf sehr stabile Exemplare zurückgegriffen werden kann. Dennoch fische ich lieber mit Drillingen, weil ich die noch mit Twisterschwänzen tunen kann.


Als Zusammenfassung ist zu sagen,


mit Ausdauer und vor allem mit Strecke machen, wird man seinen Biss bekommen. Dort wo im Sommer die Welse stehen, befinden sie sich auch im Winter. Wenn es Buhnen gibt wie bei uns, wo sich häufig Barben, Rapfen etc. aufhalten, kommt es immer auf einen Versuch an. Die Beißzeit war über den Tag sehr verteilt. Meine Versuche fanden meist am Nachmittag statt. Aber es gab auch vormittags den Ein oder Anderen der sich Fangen lies. In der Nacht spielten leider die Temperaturen oft nicht mit…aber einmal konnten wir einen Wels mit 1,47m bei einem einzigen Versuch in der Dunkelheit erwischen dem aber dieser Bursche mit1,32m noch vorweg ging.





Nicht nur die Tagestemperaturen waren in diesem Winter sehr schwankend sondern auch die Wassertemperaturen. Zu Beginn der Versuche lagen die Wassertemperaturen um die 4-5°C und erreichten teilweise knapp 9°C. In allen Temperaturbereichen wurde gebissen. Dass in einer Warmwassereinlaufbuhne trotz mehrmaligen Befischens nicht ein einziger Biss erfolgte obwohl die Wassertemperatur hier sicher 1-2°C höher ist, war für mich sehr erstaunlich.


Die zum Teil hammerharten Bisse verfolgen einen noch in den Träumen. Vielleicht wird ja der ein oder andere auch noch mit dem Winterwallervirus infiziert!


In diesem Sinne wünsche ich euch für den nächsten Winter viel Spannung und vor allem harte Wallerdrills!


Daniel Katzoreck


Und hier zum Abschluss noch ein weiterer Film zum ThemaWinterprojekt – Waller 2008

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