Steht das Fangen immer im Vordergrund?

Diese Frage relativierte sich im Laufe des Kurztrips nach Italien schnell. Das Podelta unterscheidet sich deutlich vom Mittellauf, weniger Strömung und weniger freie Flächen für das Uferfischen stehen zur Verfügung. Sandbänke sucht man vergeblich. Von der Natur her kann das Delta allemal mithalten, die Vogel- und Reptilienwelt ist einzigartig! Was meine Freundin und ich in den 3 Tagen im „Wallerparadies“ von Bertl erlebt habt, könnt ihr im Folgenden lesen…August, Verena hatte Urlaub und ich wollte sie nach Holland zum Vertikalfischen auf Zander mitnehmen. Ein bisschen stand das Unterfangen noch auf wackligen Beinen, da unser Force-2-Taktmotor noch nicht reibungslos lief. Kurz vor der Abfahrt holten wir das Motorboot samt neu inspizierten Motor aus der Werkstatt ab, es sei alles in Ordnung sagte man uns. Also Donnerstag vor der Abfahrt noch schnell einen kurzen Test auf dem Rhein und dann das. Der Motor sprang nicht an… Nach etlichen Versuchen gaben wir das ‚Unterfangen auf und lieferten den Motor wieder in der Werkstatt ab. Was nun? Ohne Boot nach Holland fahren macht nicht wirklich Sinn, also kam uns die Idee an den Po ins Delta zu fahren. Wie ich bereits gelesen hatte, herrscht dort wenig Strömung. Da Verena bereits im 8ten Monat schwanger ist, wollten wir eine „entspanntere“ Fischerei erleben. Ein kurzer Anruf in Österreich bei Bertls Frau, und der Urlaub stand auf festen Beinen. Wir mieteten uns in ein Bungalow ein. Dazu gehörten ein Boot, samt Echolot und Elektromotor (Enduro 30 lbs).

Da wir vor den 3 Tagen in Italien noch 3 Tage in Österreich verbrachten, verlief die Anfahrt sehr angenehm. Um 12 Uhr mittags erreichten wir unser Bungalow, eingebettet in die Clubanlage Nautico. Dieses umfasst eine Pizzeria und eine Schwimmbadanlage mit Bar. Die Gäste von Bertl haben zum Pool freien Eintritt. Zu unserer Aufenthaltszeit waren ein paar Familien vor Ort, gerade die Frauen wussten das Angebot zu schätzen.

Unser Empfang verlief herzlich. Nach einer kurzen Einweisung und dem Auspacken des Nötigsten stand im Anschluss das Erkunden des Gebietes auf dem Programm. Natürlich waren Spinnruten dabei, wer weiß was kommt. Der Fluss ist zum Teil 400m breit und weißt im Bereich der Fahrrinne 12m auf. Die Ufer sind meist sehr bewachsen. Ein Fischen vom Ufer ist nur an bestimmten Stellen möglich, besser eignet sich das Fischen vom verankerten Boot aus. Zu unserer Zeit waren Gäste mit dem Hausboot unterwegs, mit Sicherheit auch eine Alternative. In einigen Nebenarmen finden sich neben dem Hauptfluss weitere Plätze zum Fischen, sei es im Po di Gnocca oder im Po di Goro.

Ankunft im“ Wallerparadies“- die Steganlage

Es stehen zahlreiche gut ausgerüstete Boote zu Verfügung

Die Zeit verflog wie im Winde und es sollte bald anfangen zu dämmern. Plötzlich sahen wir aus der Ferne die Meeräschen durch die Luft fliegen. Eindeutig flüchteten sie vor etwas. Wir fuhren zu der Stelle, und warfen den Anker, denn es waren  Welse am Jagen. Leider war noch nichts montiert und ich fing hektisch und voller Aufregung an die Spinnrute einsatzbereit zu machen. Nach gefühlten Stunden flog endlich der Blinker in Richtung der jagenden Welse. Die Aktivität hatte zwar schon merklich nachgelassen doch in den nächsten 15 Minuten zeigten sich immer wieder Strudel und Welse an der Oberfläche. Nach einigen Würfen dann der ersehnte Biss in der Rute, doch leider blieb er nicht am Drilling hängen. Was solls, Verena fing langsam an zu frieren und wir fuhren in Richtung Hafen. Am Abend genossen wir noch eine leckere Pizza in der hundert Meter entfernten Pizzeria. Leider war dies das einzige Mal, dass wir die Welse aktiv beim Rauben gesehen haben…mit etwas mehr Ausdauer wäre wahrscheinlich mehr möglich gewesen, aber einer frierenden schwangeren Frau muss man klein beigeben…

Auf der Jagd nach den raubenden Welsen

Am nächsten Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück wollten wir wieder für ein paar Stunden rausfahren. Spinn- und Klopfruten waren diesmal montiert im Gepäck. Nachdem wir das Hafengelände verlassen hatten, hat sich der Fluss komplett verändert. Zahlreiche Schaumkronen, Äste, ja gar ganze Bäume kamen den Po hinunter. Der Pegel stieg zwar nur um knapp 1 m, was aber für die Deltaregion einen ordentlichen Anstieg bedeutet. Mit dem Anstieg erhöhte sich die Strömungsgeschwindigkeit von durchschnittlich 1,5 km/h auf etwa 5 km/h. Die Wassertemperatur kühlte sich gegenüber dem Vortag um 5°C ab. Mal sehen wie sich das auf das Angeln auswirken sollte?

Äste, sogar Bäume trieben den Po herunter

Schaum und sonstiges Treibgut versperrte so manche Einfahrt

Stämme dienten als Fahrdienste für Graureiher

…und für Möwen

Schlangen hatten dies nicht nötig

Unsere Klopfversuche stellten wir relativ schnell ein, denn die Strömungsgeschwindigkeit war zu schnell. Also probierten wir es mit Vertikalangeln, ehrlich gesagt probierte ich es. Verena machte es sich an Deck gemütlich. Ausgestattet mit einer Handvoll Zeitschriften und Büchern machte sie sich auf der Karpfenliege breit. Zwar hatte sie sich auch eine Angelkarte für 20 Euro gelöst (zählt für 3 Monate), wollte aber anfangs etwas entspannen. Nachdem das Vertikalangeln erfolglos verlief, schleppten wir noch die steilen Uferkanten mit großen Wobblern ab, auch das war nur ein Versuch. Die Mittagssonne ließ die Temperaturen auf 30°C steigen und wir entschieden uns für ein schönes Mittagessen im Bungalow. Gegen Abend brachen wir dann wieder auf, teilweise war es wirklich sehr gefährlich auf dem Fluss, da wie bereits erwähnt mächtige Äste und Bäume den Fluss herunterkamen. Die Gesundheit ging vor, und wir verankerten uns an einer ströumungsarmen Stelle und ließen unsere 2 Schwimmer die Uferkante abtreiben. Verena hatte ein Kerzenlicht dabei, dadurch entstand eine richtig romantische Stimmung an Bord. Selbst die wenigen Mücken ließen uns komplett in Frieden. Durch das helle Licht des Mondes brauchten wir nicht einmal die Taschenlampen. Lange erzählten wir uns bevor wir unsere zwei Angeln einholten. Zwar blieben unsere zwei Köder unbeachtet, was aber durch die Gesamtstimmung absolut ok war.

Mittagstisch im Bungalow

Ein Schwimmer war auf Position

So sah es in Richtung Flussmitte aus…der Schaum verriet den erhöhten Wasserpegel

Eine tolle Abendstimmung

Po, genau so haben wir dich noch in Erinnerung

Am dritten und letzten Tag wollte diesmal Verena aktiv mitfischen. Dies freute mich natürlich besonders. Ich gab ihr die leichte Fun Stick mit der sie ihre ersten Würfe machte. Zum Glück war am letzten Tag wieder etwas weniger Treibgut auf dem Fluss. So konnten wir ohne größere Gefahr auf dem Fluss verankern und die interessanten Stellen abwerfen. Es war toll zu sehen, wie sie die Gummifische auswarf, und ihr Wurfstil immer besser wurde! Zu guter Letzt hatte ich an meiner Rute dann noch einen Nachläufer. Gerade als ich den Gummifisch aus dem Wasser zog, drehte ein guter Wels ab und hinterließ einen mächtigen Strudel. Mist, das wär`s noch gewesen.

Am Abend wollten wir es nochmals mit Klopfen probieren. Der Pegel sank schon ordentlich, zwar hatten wir noch eine Drift von 3-4 km/h, aber ein Versuch war es Wert. Wir hatten auf einer Strecke 500m immer wieder schöne Welse auf dem Echolot, konnten insgesamt 4 Bisse verzeichen. Unsere Köderfische waren gezeichnet durch die kleinen Zähnchen der Welse. Verenas Kommentar zu den Echolotaufnahmen war, das sei ja spannender wie Fernsehen schauen.

Zum Abschluss noch spannendes Ferngucken beim Klopfen

Als Fazit des Urlaubs nehme ich mit. Zwar hatte ich insgesamt das Gefühl, dass es im Delta nicht die Dichte an Welsen gibt wie im Mittellauf, aber es ist unter normalen Umständen eine sehr angenehme Fischerei. Ansitzangeln lohnt sich auf jeden Fall vom verankertem Boot, von Nutzen ist hier ein zusätzliches Schlauchboot um die Montagen auszubringen.

Da Verena schon sehr schwanger war, waren wir natürlich anglerisch etwas eingeschränkt. Doch die gemeinsamen Stunden auf dem Boot, die ersten Würfe mit der Spinnrute und der gemütliche gemeinsame Abend auf dem Wasser waren mehr Wert als jeder 2m Wels, und das meine ich mit vollem Ernst!

www.wallerparadies.at

Daniel