2 Wochen aktives Fischen auf Wels und Zander

Spanien, Stausee Riba Roja, Fluss Ebro. Dass war das Ziel meines Frühjahrsurlaubs. Seit längerem spielte ich wieder mit dem Gedanken in diese naturbelassen Gegend zu fahren. Als Camp wählte ich das Welscamp Riba Roja, denn in der Vergangenheit habe ich darüber ausschließlich Positives gehört. Außerdem hatte ich von dieser Station alle Möglichkeiten, um sowohl im Stausee selbst, als auch in dem sogenannten „Zwischenstau“, als auch im Fluss Ebro zu fischen. Neben Wels und Zandern hatte ich auch noch die Hoffnung ein paar Schwarzbarsche zu erwischen. 3 Zielfische erfordern natürlich jede Menge Tackle, außerdem will man ja auch nichts vergessen. Aus diesem Grunde entschied ich mich mit dem Auto anzureisen. Eine Alternative wäre eine Anreise mit dem Flugzeug. Zum Teil gibt es Billigflieger die einen für knapp 30 Euro nach Barcelona bringen. Direkt von dort könnte man in den Zug steigen und bis zum Bahnhof Riba-Roja D´Ebre fahren. Von dort würde einen jemand vom 5 km entfernten Camp abholen. Mit Sicherheit eine unstressigere Variante, doch ist man dann mit der Gepäckmitnahme etwas eingeschränkt.

Auf jeden Fall erreichte ich am Samstag morgen um 5 Uhr das Camp. Die Fahrzeit betrug von Karlsruhe aus gute 12h. Es lief ausserordentlich gut, allerdings habe ich nur eine kurze Tankpause gemacht. Der See empfing mich in einer schönen ruhigen Atmosphäre. Das komplette Camp schien noch zu schlafen, auch die Campkatzen. Bis zum eigentlichen Empfang um 9 Uhr  schaute ich mich in der Anlage um und legte mich noch für eine Stunde ins Auto. Punkte 9 Uhr wurde ich dann mit einem Kaffee von Koch Axel empfangen. Ein spitzen Typ wie sich die nächsten Tage herausstellte, aber nicht nur dass, sondern auch ein sehr, sehr guter Koch.

Kurze Zeit später traf dann auch der Chef des Camps ein, Volker ein freundlicher und immer hilfsbereiter Typ. Er kümmert sich um alles was so anfällt. Seine jahrelange Erfahrung rund um den See und den Fluss machten sich auch für mich bezahlt. Er kannte jeden Feldweg rund um den Ebro, selbst 50km vom Camp entfernt…

Neben den guten Kritiken rund um das Camp, war aber hauptsächlich mein Kumpel Christian verantwortlich für die Wahl dieses Camps. Christian ist zwar noch sehr jung, dafür aber voller Elan und Inspiration. Er lebt für das Angeln und kann es überhaupt nicht haben wenn die Gäste mal leer ausgehen. Meist ärgert er sich mehr als seine Gäste selbst. Aber solltet ihr mal einen Aufenthalt dort einplanen ist bei diesem Fischreichtum ein Schneidertag äußerst selten. Christian bietet extra Flusstouren auf dem Fluss Ebro an. Fischreichtum und eine tolle Atmosphäre zeigten mir an 2 Tagen die gewaltigen Möglichkeiten dieses Gewässers.

Nun zum eigentlichen Fischen.

Die Wassertemperatur lag im See bei knapp 12°C. Im Vergleich zu den Vorjahren war diese deutlich niedriger. Normalerweise sind die meisten Zander um diese Zeit schon fertig mit dem Laichen, aber was sollten meine Versuche zeigen? Am ersten Tag wollte ich nur auf Zander fischen, es wurde alles nur erdenkliche an Ködermaterial aufs Boot genommen. Am Ende entschied ich mich aber vertikal mit der kurzen Rute zu fischen. Die Drift war perfekt, die leichte Brise ließ das Boot parallel zum Ufer treiben. Die ersten Kleinfischschwärme erkannte ich beim Driften in 6m Wassertiefe über 12m tiefen Wasser. Darunter waren 3 deutlich größere Sicheln zu sehen. Schnell zog ich den Gummi vom Grund ins Mittelwasser. Sofort kam der Biss, stieg jedoch im gleichen Augenblick wieder aus. Dass war er dann, der ersten Zanderbiss. An dieser Stelle sollten Zander sein, das war schon mal beruhigend. Diese Uferböschung war aber nicht steilabfallend wie die gegenüberliegende Uferseite. Hier sollten in den 2 Wochen auch so gut wie keine Zander gehen. Alle versammelten sich an den Stellen, wo der Wind draufstand, das Wasser sich schneller erwärmte und vor der Flachwasserzone, wo die ersten Nester zu sehen waren.

Der Tag galt ganz dem Erkunden des Sees. Viele interessante Ecken und kleine Buchten waren zu sehen. Sehr auffällig waren die zahlreichen Unterwasserbäume. Gerade in den kleinen Buchten ragten die Bäume über Wasser. Ein Paradies für alle Fische, besonders auch für die Schwarzbarsche. Zahlreiche gut motorisierte Boote waren schon auf dem See unterwegs. Allerdings wurde nach Auskunft der Fischer, die ab und an ins Camp kamen, um die gute Küche des Kochs zu genießen, sehr sehr wenig gefangen. Ein Fisch am Tag war schon viel, dennoch juckte es die Jungs wohl auch schon in den Fingern. Oder sie wollten uns einfach mit ihren 100 ps starken Maschine beeindrucken. Im Sommer und Spätjahr soll es ein Paradies für alle Schwarzbarschangler sein…

Nachdem die ersten Stunden auf dem See mit vielen super Eindrücken verstrichen waren, kam ein gewaltiger Biss aus dem nichts. Auf dem Echolot war nichts zu sehen, erst als ich den Fisch vom Grund löste zeigte sich ein dickerer Balken. Die Schnur rieb während des Drills über die Zähne, das war deutlich zu spüren. Klasse, ein Zander sollte gleich an die Oberfläche kommen, nur wie groß? Aufgrund des Echos und der wirklich stark gebogenen Vertikalrute ging ich von einem guten Fisch aus. Und dies war er auch, ein guter 90er Zander, was für ein Urlaubsbeginn. Doch der erste dicke Zander erforderte zu Beginn reichlich Köderverluste. Mit der Zeit lernt man zwar wo es weniger Hänger geben wird, doch ein guter Vorrat ist unbedingt nötig. Je nach Driftgeschwindigkeit sind Köpfe zwischen 20-30gr. nötig. Beim Faulenzen bzw. Jiggen verwendete ich 14 gr. Köpfe. Die Boote waren alle mit Anker versehen. So konnten interessante Plätze gezielt mit einigen Würfen abgefischt werden, bevor man den Anker lichten konnte und das Boot ein paar Meter weiter versetzte. Auch die nächsten Tage fische ich immer wieder auf Zander, doch die Befürchtungen bestätigten sich. Die Zander waren zum Großteil im Laichgeschäft. Vereinzelte Zander standen noch im Tiefen, der Großteil aber im Flachwasser und zum Teil die Männchen auch schon über den Nestern.


Unterhalb der Staumauer war das Wasser aber knapp 2 °C kühler, da das kalte Tiefenwasser abgelassen wurde. Hier war es deutlich besser als im See. Beeindruckend war für mich aber die Durchschnittsgröße der Zander, die bei 65cm lag. Wo gibt es so was in dieser Stückzahl? Im Sommer und Herbst sind Stückzahlen um 20 bis teilweise 30 Fischen keine Seltenheit. Der beste Zanderplatz während meiner Zeit war unterhalb der Staumauer in Flix, hier war es fast möglich auf Ansage eine Zander zu fangen. Leider hatte ich auch dort die Hoffnung einen Wels an die Spinnrute zu bekommen. Doch dies blieb mir verwehrt…


Neben den Zandern reizte mich natürlich auch der Wels. Ein großer Wels an der Spinnrute ist immer ein außergewöhnliches Erlebnis. Für mich zählt das aktive Fischen auf Wels mit zum Effektivsten was es gibt, dazu ist es noch äußerst spannend. Mit aktivem Fischen meine ich aber nicht nur das klassische Spinnfischen, sondern auch das Vertikalangeln, das Schleifen, als auch das Klopfen. Mit allen Methoden lässt sich eine große Strecke abfischen, und es lassen sich vor allem auch tagsüber nicht so aktive Fische befischen. Leider sind fast alle Methoden sehr windabhängig. Das Windproblem stellte mich in den 2 Wochen vor extreme Herausforderungen. Beim Spinnfischen vom Ufer aus hatte man zum Teil einen extremen Schnurbogen, was null Köderkontrolle bedeutete. Außerdem konnten die angepeilten Angelplätze gerade beim Angeln vom Flussufer nicht erreicht werden. Am See war es zum Teil so stürmisch, dass eine Ausfahrt nicht zu verantworten gewesen wäre. Alles in allem fielen in den 2 Wochen knapp 4 Tage dem Wind zum Opfer. Sicher, hätte ich mich auch ans Ufer setzen können um Bojen zu spannen. Aber das war nicht das, was ich in diesem Urlaub machen wollte. Auch wenn dies zugegebenermaßen auch seinen Reiz hatte.

Nun zu den Tage mit weniger Wind.

Flussfischen auf Wels

Mit Christian begab ich mich 2 Tage auf den Ebro. Wir hatten ein Boot des Camps dabei. Christian kennt den Fluss aus zahlreichen Touren wie seine Westentasche, was natürlich einiges vereinfachte. Die erste Stelle stellte eine malerische Bucht dar, in der wir uns ohne Anker treiben ließen. Vor dem Urlaub bekam ich einige Testmaterialenvon Black Cat, wie Gummifische und eine Testrute mit, die ich nach meinen Wünschen aufbauen ließ. Auf einer Feinwaage wog ich die Rute vor meiner Abreise nach. Komplett wog sie schlappe 220gr, ein wahres Leichtgewicht. Nun gut, wir befischten die Bucht und mussten innerhalb dieser einige hartnäckige Hänger lösen. Viele Bäume und sonstige Unterwasserhindernisse erschwerten das Fischen in Grundnähe und dies nicht nur in der Bucht sondern im gesamten naturbelassenen Fluss. Ein Wurf in Richtung Strömungskante brachte dann einen typischen Welsbiss. Man spürte förmlich das genüssliche Einsaugen des Welses. Der Drill konnte beginnen. Christian schnappte sich schnell die Videokamera und filmte den gesamten Drill mit ein paar Unterbrechungen. Zwischendurch musste er das Boot weit weg von der Strömung und den Unterwasserhindernissen halten. Dieser Drill an der leichten Spinnrute war einer der Highlights des Urlaubs, ein geniales Erlebnis. Den großen Fisch zogen wir nicht über die Bordwand sondern zogen ihn mit dem Kopf über Wasser in Richtung eine kleine Schilfinsel und machten dort ein paar Bilder. Welch ein Andenken! Leider konnten wir den Wels aufgrund der örtlichen Umstände nicht messen, schätzten ihn aber auf 215 -220cm. Danach ging es weiter flussabwärts, immer wieder fischten wir interessante Stellen ab, indem wir uns am Ufer anbanden oder aber verankerten und die Gummis und Blinker durch die Luft fliegen ließen. Die Strecken zwischen den Spinnplätzen verbrachten wir mit Driftfischen. Auch dies brachte einen Fisch.

Ein weiterer Flusstag brachte mir an der Spinnrute einen weiteren großen Fisch, der aber nach der ersten harten Flucht in Richtung Strömung ausstieg. Kleinere Fische dagegen konnten erfolgreich gelandet werden. Neben Gummifischen zwischen 12-16cm waren auch Twister gut. Das gute an dieser Angelei ist, dass immer wieder mit Zandern als Beifängen zu rechen ist.

Ich im Drill eines halbstarken Welses, der einen Gummifisch nahm

Christian mit einem der zahlreichen Wallern

Christian mit einem Klopfwaller

Fischen vor beeindruckender und malerischen Kulisse

Allgemein nehme ich mit, dass im Fluss ein Boot sehr von Vorteil ist. Christian bietet hierfür spezielle Flusstouren an! Ich selbst probierte es vom Ufer aus. Es gibt zum teil Stellen die begehbar sind, jedoch sind diese sehr rar. Ich konnte bei meinen 2 Trips an den Fluss einen Wels mit 140cm fangen, jedoch verbrachte ich die meiste Zeit bei der Stellensuche. Dies kostete mich insgesamt 3 Watstiefel, da das Ufer mit stacheligen Brombeersträuchern übersät ist.

Der Größte aus dem Fluss


Mein Lieblingsbild… dazu das Video…

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Welsangeln im See

Den kürzesten Drill erlebte ich beim Zanderfischen an der leichten Rute. Kurzer Zug in der Rute…nichts. Beim nächsten Anziehen das selbe Spiel. Das Gegenüber schien den Köder richtig zu verfolgen. Im dritten Anlauf packte er ihn dann, der Haken saß. Doch innerhalb von 3 Sekunden schaffte er es in einem rasanten Tempo unters Boot zu schwimmen, so dass ich keine Chance hatte den Anker zu lichten. Bevor ich mit der Bremse arbeiten konnte war der Fisch auch schon weg, Abriss…ärgerlich!

alte Eisenbahnbrücke

Ansonsten war Driftfischen an manchen Tagen wirklich die Topmethode. So ging auch der größte Fisch des Urlaubs auf  diese Methode. Ãœber 25m tiefem Wasser lies ich mich vom Wind treiben. Ich bot meinen Köder in 6m Tiefe an. Auf dem Echolot sah ich am letzten Tag ein Echo eines scheinbar sehr großen Fisches. Das Herz fing schneller an zu schlagen. Der Fisch kam in die Nähe meines Köders, den ich auch auf dem Echo deutlich sah. Absturz des Welses, dieser schien die Schnur gespürt zu haben. Dennoch blieb die Neugier, kurze Zeit später wieder das ähnlich Echo auf 10m Tiefe. Schnell lies ich den Köder ab. Praktisch vor dem Maul tanzte der Köder, doch ohne zuzupacken tauchte er wieder in die Tiefe ab. In 14m machte er Halt und tauchte wieder auf. Unmissverständlich attackierte er nun den Köder und riss mir die Rute fast aus der Hand. Der Drill begann mitten auf dem See. Gute 20 Minuten dauerte es, bis ich ihn landebereit hatte. Davor zog er mich aber gute 200m über den See. Mit den Kräften war ich schon ziemlich am Ende, es war aber geschafft. Da ich aber alleine auf dem See war, begab sich Volker vom Camp sofort zu mir und machte tolle Fotos für mich…DANKE dafür. Ein Service der jedem Gast bei einem guten Fisch zur Verfügung steht.


Insgesamt war es ein wirklich sehr erlebnisreicher und spannender Urlaub alleine. Die Versorgung und Verpflegung vor Ort ist super. Auch Familien sind hier äußerst gut aufgehoben. Im Urlaub sah ich kleine Kinder wie auch Anglerinnen, als auch schon Angler im gehobenerem Alter…Ein Camp zum Wohlfühlen ( http://www.welscamp-spanien.de/ ).

Ich werde auch wieder kommen, wahrscheinlich schon wieder dieses Jahr, Daniel